Ex-Erstliga-Stürmer trainiert in Zeißig

Jiri Krohmer war gerade 20, als er sein erstes UEFA-Cup-Spiel absolvierte. Mit 30 wechselte der Tscheche nach Deutschland. „Mein Ziel war immer Bundesliga“, sagt der Mann, der vor ein paar Tagen seinen 40. Geburtstag gefeiert hat. Wieder sind also zehn Jahre rum und wir treffen den Ex-Profi in Zeißig, als Co-Trainer in der Landesklasse. Ein außergewöhnlicher Mann, der eine bewegte Karriere hinter und vielleicht noch vor sich hat. Aufgewachsen ist Jiri Krohmer in Jesenik, rund 30 Kilometer von Olomouc entfernt, der Stadt, in der Tschechiens Trainerlegende Karel Brückner geboren wurde. Erst hatten die Eltern Sorge, den 13-Jährigen auf die Sportschule zu schicken. Heute ist der Sohn dankbar dafür. „Sie haben die richtige Entscheidung getroffen.“ Jiri Krohmer ist schnell, dribbelstark und torgefährlich. Er wird Jugend-Nationalspieler und schafft schon mit 16 den Sprung in die Männermannschaft von Erstligist SK Sigmar. Der junge Jiri spielt in der Zeit mit Fußballern zusammen, die später in der Bundesliga aufhorchen lassen: Radoslav Látal (Schalke 04) zum Beispiel oder Pavel Hapal (Bayer 04 Leverkusen). Und Trainer Brückner habe ihm viel gegeben, sagt er. „Es war eine Top-Schule.“ Es ist die Zeit, in der tschechischer Fußball begeistert. Den Traum vom EM-Titel im Nachbarland begrub ein Deutscher: Oliver Bierhoff traf beim EM-Finale 1996 in England mit dem Golden Goal zum 2:1. In Tschechien spielt Olomouc vorne mit, schafft die Qualifikation zum UEFA-Cup, der heutigen Europa League. Im September debütiert Krohmer gegen Olympique Marseille, ein Tor gegen die Franzosen mit Deutschlands Ex-National-Keeper Andreas Köpke blieb ihm beim 2:2 verwehrt. Das Rückspiel endete 0:4. Der ganz große Sprung nach oben gelang dem Offensivmann in seiner Heimat nicht, Krohmer wechselte mehrfach, spielte unter anderem mit dem lettischen Verein FK Ventspils 2004 noch zweimal in der Europa League. „Ich habe überall eine schöne Zeit gehabt“, blickt er zurück. Vor zehn Jahren führte ihn sein Weg nach Deutschland, über Oberligist Borea Dresden zu Liga-Kontrahent Budissa Bautzen, wo er Stefan Hoßmang kennenlernte, damals Budissas Co-Trainer, heute Chefcoach in Zeißig. „Er war ein sehr guter Offensivspieler hinter den Spitzen, 1:1-Situationen waren seine Stärken“, erinnert sich Hoßmang, der den Weg des Tschechen auch verfolgte, als sich die Wege wieder trennten. Krohmer spielte in seinen 30er-Jahren unter anderem in Großpostwitz-Kirschau und Ralbitz sowie bei Germania Bautzen, woran sich vielleicht auch ein paar Hoyerswerdaer erinnern: Im November 2014 traf Krohmer beim 2:1 gegen den HSV 1919. Als Trainer war er in Bautzen im Nachwuchs sehr erfolgreich, später auch bei den Männern, im Vorjahr führte Krohmer Ralbitz Horka auf Platz 9 der Kreisoberliga. Die anfänglichen Sprachprobleme sind überwunden. Nun ist der Bautzener der „Co“ in Zeißig und Stefan Hoßmang freut, sich einen so erfahrenen Mann als Assistenten an seiner Seite zu wissen. „Jiri ist sehr detailversessen.“ Das passt gut zu Hoßmang, der sagt: „Es ist wichtig, dass eine zweite, auch konträre Meinung, vorhanden ist“. Jiri Krohmer sagt, das Landesklasse-Niveau ist hoch. Wohin es mit dem SV Zeißig im 2. Landesklasse-Jahr geht, bleibt abzuwarten. Mit dem erfahrenen Trainer-Duo sind gute Voraussetzungen in Zeißig geschaffen, doch angesichts einer derzeit dünnen Kaderdecke spricht Hoßmang von einer „Mammutaufgabe“. Am Samstag kommt der SV Trebendorf zum Punktspielauftakt in den Zeißiger Sportpark, der Auftakt im Sachsenpokal verlief für Hoßmang, Krohmer & Co schon mal sehr gut. In der ersten Runde beim SSV Neustadt/Sachsen am Sonntag setzten sich die Zeißiger mit 5:0 souverän durch. Den Traum von der Bundesliga träumt hier wohl keiner. Jiri Krohmer findet aber: „Vielleicht klappts ja als Trainer“, und lacht. Denn wer weiß schon, was er in zehn Jahren machen wird.

 

 

Quelle: Sächsische Zeitung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Posted by: SVZ on