So. Sep 26th, 2021
Stefan Hoßmang sitzt beim SV Zeißig als Cheftrainer auf der Bank. Mit der A-Lizenz kann es aber höher hinausgehen.

Es war, wie man so schön sagt, ein Einstand nach Maß. Bei seinem ersten Punktspiel als neuer Cheftrainer des Fußball-Kreisoberligisten SV Zeißig feierte Stefan Hoßmang mit seinen Schützlingen einen 4:1-Erfolg über den TSV Wachau. Am vergangenen Sonntag siegte der Tabellensiebente Zeißig bei der SG Wilthen mit 5:1. Im Sommer 2015 hatte der 47-jährige Hoßmang überraschend sein Amt als Co-Trainer beim Regionalligisten FSV Budissa Bautzen aufgegeben.

Herr Hoßmang, wie kam der Kontakt zum SV Zeißig zustande?

Das Vereinsgelände liegt Luftlinie nur eineinhalb Kilometer von meinem Wohnhaus entfernt. Vielleicht sind die Verantwortlichen deshalb auf mich gekommen. Anfang Dezember wurde ich angesprochen, Ende letzten Jahres haben wir uns dann bei einem Hallenturnier auf eine Zusammenarbeit verständigt. Zuvor hatte ich mir zwei Spiele der Zeißiger angeschaut.

Sie haben viele Jahre mit Thomas Hentschel ein sehr erfolgreiches Trainer-Duo gebildet. Warum haben Sie im Vorjahr einen Schlussstrich gezogen?

Generell fand ich es sehr schade, dass es am Ende so gekommen ist. Aber es ist wie im normalen Leben, wenn kein gegenseitiges Vertrauen mehr vorhanden ist, macht das so keinen Sinn mehr. Ich habe diesen Schritt noch nie bereut.

Was haben Sie danach in dem halben Jahr gemacht?

Ich habe für meinen Bruder Thomas, der die A-Junioren des 1. FC Magdeburg trainiert, etliche Regionalligaspiele beobachtet. Da war ich viel unterwegs. Es war auch gut, dass ich mal wieder etwas mehr Zeit für mich hatte. Beim LSV Bergen habe ich mich fit gehalten und auch immer mal wieder mittrainiert.

Apropos Bergen. Am letzten Spieltag kommt es zum Familienduell …

Ja, seit Sommer 2015 ist Benjamin, der jüngere Sohn von Thomas, dort der verantwortliche Trainer. Und wir werden sicher nicht die einzigen Vertreter unserer Familie sein, die an diesem Tag dem Duell zwischen Bergen und Zeißig beiwohnen.

Ihr Vater ist ein großer Fußball-Anhänger. Wessen Spiele schaut er sich an?

Natürlich ist er oft bei Budissa in Bautzen, wo mein Neffe Martin spielt und Thomas und ich früher auf der Trainerbank saßen. Bei meinem Debüt in Zeißig war er auch unter den Zuschauern und wenn Thomas, der übrigens auch das Nachwuchsleistungszentrum beim 1. FC Magdeburg leitet, mit seiner U 19 hier in der Region ein Auswärtsspiel bestreitet, fährt unser Vater auch hin. Sie sehen, es kommt keiner seiner Söhne oder Enkel zu kurz

Aufgrund Ihrer beruflichen Verpflichtungen in einer Bank steht der Fußball an zweiter Stelle. Was gab den Ausschlag, in die erste Reihe zu treten?

Wir trainieren dreimal die Woche, beginnen aber erst abends um 19 Uhr. Da gibt es keine Überschneidungen, zumal es, wie ich schon sagte, alles kurze Wege sind. Aber ich denke immer noch, dass es ab der Oberliga schwierig wird, neben einem Hauptberuf als Chefcoach zu arbeiten.

Also ist es durchaus möglich, dass Sie eines Tages in der Landesliga arbeiten?

Ja. Ich habe gerade meinen Trainer-A-Schein in Hennef gemacht und kann damit im Männerbereich bis zur vierten Liga als Cheftrainer arbeiten. Ich habe lange Zeit als Assistent gearbeitet und genug Erfahrungen gesammelt. Es ist dann der logische Schritt, dass man sich auch in der alleinigen Verantwortung ausprobiert.

Glückwunsch! Waren auch Ex-Bundesligaspieler bei diesem Lehrgang dabei?

Ja, unter anderem Ex-Torhüter Martin Pieckenhagen und Christian Wetklo, der noch bei der Regionalliga-Mannschaft von Schalke 04 das Tor hütet. Auch Marco Haber, der es immerhin auf 275 Erstligapartien bringt, hat erfolgreich bestanden. Eigentlich sollte ich erst im Sommer dabei sein, aber dann kam ein Anruf, dass kurzfristig ein Platz freigeworden sei. Und da habe ich zugegriffen.

Wie problematisch ist es für Sie, der zuletzt in der Regionalliga trainiert hat, jetzt Spieler in der achten Liga zu betreuen?

Problematisch ist es überhaupt nicht. Natürlich muss man seine Vorstellungen und Erwartungen etwas nach unten abfedern. Aber wie die Jungs in den ersten Wochen mitgezogen haben, nötigt mir Respekt ab. Im Training waren meist 18 Spieler dabei, das hat mich sehr positiv überrascht. Bis jetzt habe ich den Eindruck, dass meine Spieler genau diese Art der Wintervorbereitung und des Trainings so wollen. Ich habe zum Beispiel einen Stürmer, der studiert in Jena. Er hat mir Anfang des Jahres gesagt, dass es für ihn schwierig wird, am Training teilzunehmen. Dann hat er von seinen Mitspielern gehört, wie wir trainieren und war zuletzt die ganze Woche hier.

Kann er nicht in Jena trainieren?

Doch, das geht jetzt auch. Ich habe ihm dort einen Kontakt hergestellt und er hat jetzt einen Verein, bei dem er sich auch fit halten kann.

Ist die Mannschaft intakt?

Ja, die Zeißiger Jungs haben einen tollen Zusammenhalt. Da haut keiner gleich nach dem Training ab. Sonnabends schauen sie noch zusammen Fußball im TV. Die betreiben diesen Sport, weil es ihnen große Freude bereitet.

Wohin soll der Weg mit Zeißig gehen?

Sie waren ja die letzten drei Jahre in der Liga vorn dabei. Jetzt müssen wir alles wieder in die richtigen Bahnen bringen. Mittelfristig ist es schon unser Ziel, zu den besten Teams zu gehören. Aber ich habe großen Respekt vor dem Niveau in dieser Kreisoberliga. Ich denke, dass der Abstand zur Landesklasse gar nicht so groß ist.

 

Quelle: fupa.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.