Mi. Sep 22nd, 2021

Als „Spiel des Jahres“ in Hoyerswerda gilt eine Fußballpartie, die am Samstag um 14 Uhr im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion an der Liselotte-Herrmann-Straße 13 angepfiffen wird. Nimmt man den Gastverein und die erhoffte Zuschauerzahl als Maßstab, dürfte die Begegnung dieses Jahr nicht zu toppen sein. Im Sachsenpokal-Achtelfinale empfängt der SV Zeißig die BSG Chemie Leipzig. Der Gastverein, vor 20 Jahren als „Ballsportfördergemeinschaft“ gegründet, sieht sich als legitimer Nachfolger der BSG (damals: Betriebssportgemeinschaft) Chemie Leipzig, die 1951 und 1964 DDR-Meister und 1966 Pokalsieger wurde – und einmal 1957, damals aber zwischenzeitlich als SC Lokomotive Leipzig firmierend. Nun treffen am Sonnabend ein Verein aus der 7. Liga, also Zeißig, und ein Viertligist, Leipzig, aufeinander. TAGEBLATT beantwortet dazu einige Fragen.

Warum findet das Spiel im Jahnstadion statt und nicht in Zeißig, im Sportpark
an der Spohlaer Straße 6?

In Zeißig ist zu wenig Platz für Zuschauer und zum Parken. Zu Heimspielen des SV kommen etwa 100 Zuschauer, beim Landesklasse-Derby vor gut anderthalb Wochen gegen Neustadt/Spree waren es etwa doppelt so viel. Zudem sprechen Sicherheitsgründe dagegen. Die Anhänger von Chemie Leipzig gelten nicht als gewaltorientiert, die Partie ist deshalb durch die Polizei auch nicht als Risikospiel eingestuft. Bei Spielen mit Vereinen, die traditionell ein hohes Fan-Potenzial haben, gelten aber erhöhte Standards. Übrigens: Eintracht Niesky wäre an diesem Wochenende Pokal-Gastgeber des Chemie-Stadtrivalen 1. FC Lok Leipzig gewesen, hat aber aus Sicherheitsbedenken dem Vorschlag der Leipziger zugestimmt, das Spiel nicht in Niesky, sondern bei Lok auszutragen.

Wie viele Zuschauer erwartet der SV Zeißig am Sonnabend?

„Wir rechnen mit etwa 1 000 Zuschauern“, sagt SVZ-Vorstandsmitglied Lutz Henniger. Nach Rücksprache mit den Leipzigern heißt es, dass sich möglicherweise 300 bis 500 Chemie-Anhänger auf den Weg nach Hoyerswerda machen. Zum letzten Heim-Punktspiel der Leutzscher am Sonnabend kamen 2 300 Zuschauer in den heimischen Alfred-Kunze-Sportpark Leipzig; beim letzten Auswärts-Auftritt am Dienstag bei Mitaufsteiger Halberstadt waren unter den 1 035 Zuschauern im Friedensstadion am Halberstädter Spiegelnsbergenweg wohl an die 500 Leipziger Fans.

Welche organisatorischen Besonderheiten erwartet die Zuschauer?

Für das Pokalspiel sind zwei Eingänge des Jahnstadions geöffnet. Für die Gäste-Anhänger ist ausschließlich der Haupteingang vorgesehen. Die Leipziger stehen im Stadion auf der Gegenseite der Haupttribüne, der Tribüne, die für alle anderen Zuschauer offen ist. Diese nutzen den Eingang am Ärztehaus/Herrmannstraße. Besucher sollten sich auf Personen- und Taschenkontrollen einrichten. Zwischen 8 und 18 Uhr werden die Parkbuchten vor dem Jahnstadion in der Liselotte-Herrmann-Straße gesperrt sein. Dafür kann die Claus-von-Stauffenberg-Straße vom Knoten Spremberger Chaussee in Fahrtrichtung Liselotte-Herrmann-Straße beparkt werden. Wegen des möglichen Andrangs an Kassen und Parkplätzen wird empfohlen, rechtzeitig ins Stadion zu kommen. Die Tageskassen öffnen bereits um 12 Uhr.

Welche Sicherheitsvorkehrungen werden getroffen?

„Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei. dem Ordnungsamt Hoyerswerda und dem Sportbund Lausitzer Seenland“, sagt Lutz Henniger. Für das Spiel ist extra ein Wachschutz-Unternehmen verpflichtet. Die Polizei begleitet die Leipziger Anhänger vom Bahnhof zum Stadion. Das Stadiongelände wird videoüberwacht. Dort wird ein Sicherheitszaun aufgestellt.

Welche sportliche Chance sieht der SV Zeißig?

Als Aufsteiger in die Landesklasse ist Zeißig krasser Außenseiter. „Wir hoffen natürlich auf eine Pokal-Sensation und große Unterstützung“, sagt Lutz Henniger. Leipzig ist in die Regionalliga aufgestiegen, drei Spielklassen höher. Dort rangiert das Team nach zehn Spieltagen auf dem 16. und damit letzten Nichtabstiegsplatz der 18er-Staffel. Gegen Wacker Nordhausen gab es am Sonnabend ein 0:0, am Dienstag in Halberstadt ein 1:1, wobei der BSG immerhin in der 78. Minute der Ausgleich durch Max Hermann gelang. Zeißig verpatzte am Sonnabend die „Generalprobe“ bei der SG Dresden Striesen mit 0:4 deutlich. Nach drei Punktspiel-Siegen zum Auftakt setzte es zuletzt vier Niederlagen in Folge. Das letzte Erfolgserlebnis rührt aus dem Sachsenpokal: Nachdem in der ersten Runde der SV Bad Muskau mit 4:1 bezwungen werden konnte, machten es die Zeißiger eine Runde später gegen den Landesklässler Possendorf richtig spannend: Das entscheidende Elfmeterschießen endete erst beim Stand von 13:12 für Zeißig. So weit könnte es auch am kommenden Sonnabend gehen. Wenn aber Zeißig das Spiel so lange wie möglich offen gestalten kann, wäre das schon als ein großer Erfolg für den Landesklassen-Aufsteiger zu werten.

Quelle: Sächsische Zeitung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.